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Schindlers Häuser

ein Film von Heinz Emigholz

DOKUMENTARFILM | 2007 | A,D | 99 min | Deutsch | Farbe | 35mm | 1:1,37

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„Schindlers Häuser“ zeigt vierzig Bauwerke des österreichisch-amerikanischen Architekten Rudolph Schindler aus den Jahren 1921 bis 1952. Schindlers pionierhafte Arbeit in Südkalifornien begründete einen eigenen Zweig der architektonischen Moderne. Alle Aufnahmen zum Film fanden im Mai 2006 statt. Der Film bildet damit auch ein aktuelles Portrait städtischen Wohnens in Los Angeles, das in dieser Ausformung noch nie dokumentiert worden ist.


"Die Architektur projiziert einen Raumentwurf in die dreidimensionale Welt. Der Film nimmt diesen Raum und übersetzt ihn in zweidimensionale Bilder, die uns in der Zeit vorgeführt werden. Im Kino erfahren wir so etwas Neues: einen Gedankenraum, der uns über Gebäude meditieren läßt." Heinz Emigholz

Schindlers Häuser ist der zwölfte Teil aus der Serie Photographie und Jenseits

 

Rudolph M. Schindler

Rudolph M. Schindler (1887-1953) wurde in Wien geboren, wo er bei Otto Wagner und Adolf Loos studierte. Inspiriert von Frank Lloyd Wright, kam er 1914 nach Chicago; ab 1918 arbeitete Schindler für Wright, der ihn 1920 nach Los Angeles schickte, um den Bau des Hollyhock-Hauses für Aline Barnsdall zu überwachen. Schindler begann dort 1922 mit dem Kings Road-Haus selbst als Architekt zu arbeiten – einem Haus, das als Arbeits- und Lebens-Raum für zwei Paare konzipiert war, mit einer Gemeinschaftsküche und einem Gäste-Appartement.

Der Fokus von Schindlers Arbeit liegt in der Integration von Innen- und Aussenräumen, die in komplexen Volumen und stark artikulierten Bauteilen ineinander verschränkt. Er entwarf mehr als 400 Bauten, von denen 150 während seiner Laufbahn realisiert wurden. Zum Grossteil handelte es sich um kostengünstige Einfamilienhäuser für progressive Kunden. Auch wenn Material und Vokabular seiner  Arbeiten sich im Laufe der Zeit veränderten, blieben Schindlers Prinzipien des Designs und der räumlichen Charakteristik in seinem Werk beständig. Dies glt auch für seine späteren Bauten, in denen Schindler seine Raum-Konzepte weiterentwickelte – etwa in den lichtdurchlässigen Häusern, die er von Mitte der 1940er bis Anfang der  1950er Jahre baute.

Kathryn Smith, Architekturhistorikerin und Autorin des Buches „Schindler House“
(Quelle: MAK Center for Art and Architecture / The Schindler House, LA)
 




Photographie und Jenseits - Teil 12

Regie: Heinz EmigholzKamera: Heinz EmigholzSchnitt: Heinz EmigholzTon: May Rigler, Jochen Jezussek, Christian Obermaier, Eckard GoebelProduktionsleitung: Alexander Glehr
Produktion: Gabriele Kranzelbinder, Alexander Dumreicher-Ivanceanu
Förderungen: Filmfonds Wien, Innovative Film Austria, ORF Film-/Fernsehabkommen, WDR / 3sat, Niederösterreich Kultur

Weltvertrieb: AUTLOOK Filmsales, www.autlookfilms.com

Verleih: Poool Filmverleih www.poool.at / Filmgalerie 451
Zu SCHINDLERS HÄUSER   
Marc Ries

Heinz Emigholz gestaltet Porträts von Häusern, die einem Architekten zugeordnet werden, Rudolph M. Schindler. Damit ist die Person Schindler Teil der Porträts seiner Häuser, was wir in der filmischen Beschreibung erfahren, ist jedoch anderes und mehr. Die Porträts der 40 Häuser lassen ihre Formen, die Konstruktion ihres Innenlebens, ihr Zusammenleben mit Umgebung und Gesellschaft, ihre Gebrauchsmöglichkeiten und  also ihre Lebensspuren, ihre Bewohner und ihre Geschichte erkennen. Die Erregung aus der Faszination der Baukörper Schindlers ist gepaart mit Ansichten vom Idiom eines kalifornischen Alltags, mit der Darstellung der obszönen Paarung von Pflanzen und Häusern und mit der Wucht einer „gesamtgesellschaftlichen Autorenschaft“ (Emigholz) an dem, was man Architektur nennt.

Doch welche Möglichkeiten hat der Film, ein so verstandenes Porträt zu verfertigen? Es ist offensichtlich, dass das Gelingen sich nur einstellt, wenn Raumfragen zu  Bildfragen werden, wenn Fragen des Bauens und Wohnens zu Fragen des filmischen Blicks werden. Ich möchte diese Bewegung versuchen zu rekonstruieren. Die Einstellung ist technisch die kleinste Einheit des Films, sie ist jedoch für Emigholz zugleich die Mitte der Kräfte einer Lage im Raum. Diese eine Stelle – in ihrer Unbeweglichkeit, ihrer gleichbleibenden Sicht auf die Architektur – lässt alle Elemente des von ihr gewählten Ausschnittes in sie hineinfliessen, in ihr verdichten sich die Resonanzen des Baus, des Grüns, des Lebens. Der Blick hat Muße diese wirken zu lassen, er vermag seine Vorstellungen im Kader sich bewegen zu lassen. Die gewollte Starrheit der Kameralage evoziert eine Bewegtheit im Vorstellen: Der Betrachter vermag sich selbst imaginativ an die Stelle der Kamera im Raum zu setzen und also sich das Wohnen an diesem Ort anzuverwandeln. Unterstützt wird dieses Vorhaben von der leicht aus der Vertikalen gekippten Rahmung, sie bietet der Betrachtung eine „schiefe“ Wahrnehmungsbahn ins Bild, da nur so der Illusionismus des Filmischen gleichfalls gekippt werden kann. Vielleicht ist es aber auch der Ton, der diese Beweglichkeit wesentlich mit bedingt, denn über ihn „reicht vieles, was nicht im Bild zu sehen ist, ins Filmbild hinein“ (Emigholz), die Vibrationen eines urbanen Daseins, die Melodien des Alltags, das Rauschen der Tätigkeiten. Die zugleich konzentrierte und diffuse Akustik programmiert eine Art subversive Animation der in sich ruhenden Lagen der Baukörper. Man mag in dieser Beschwörung der einen Einstellung eine Haltung erkennen, die einer pragmatistischen Ästhetik zuspricht: Das eine Bild öffnet sich dem Wunsch der Betrachtung, die Erfahrungen dieses anderen Hauses, dieser anderen Stadt, dieses anderen Landes sich zu vergegengewärtigen, sie zu ermessen und sie vielleicht in das eigene Bild des Wohnen zu holen.

Doch es folgt eine weitere Einstellung und eine nächste und noch eine. Diese nun arbeiten gemeinsam am Herausholen der Architektur aus ihrem – unfreiwilligen – Versteck in einen genuin filmischen Raum. Die Komposition der Einstellungen ermöglicht Blickwechsel, Durchsichten und Einsichten, die vermutlich selbst den Bewohnern entgehen. Wobei das Versteck im Falle von SCHINDLERS HÄUSER ja stets ein doppeltes ist:  Zum einen verbirgt sich die Architektur hinter dem Bewuchs, dem umbauten Raum, den Zeichen des Alltags, zum anderen ist das Verstecken ein immanent filmischer Prozess. Eine jede Einstellung folgt der Logik des hors-champs, also dem gleichzeitigen Zeigen und Nicht-Zeigen. Das Verbergen von Wirklichkeit im Prozess des Kadrierens – das, was André Bazin die Operation des cache genannt hat – wird jedoch im Schnitt, im Anfügen einer weiteren Blicklage und noch einer, jeweils ein bisschen aufgelöst, das Versteckte wird sichtbar gemacht – aber nicht ganz, auch das ist nicht möglich, es bleibt stets ein Rest Ungesehenes, ein notwendig zu hütendes Geheimnis. Nicht so tun, als ob man alles, die „ganze“ Architektur zu zeigen in der Lage wäre, sondern stets nur mit wenigen Einstellungen das Ganze in seinen „Abschattungen“ sich zeigen lassen, so lautet wohl eine der Einsichten dieses Films. Wenn ein solchermaßen gefertigtes Porträt zu Ende ist – seine Dauer ist wohl der intimen Beziehung von Haus und Autor geschuldet – hat man tatsächlich den Eindruck, in vielerlei Hinsicht dem Haus begegnet zu sein,¬ und wenn man alle Porträts gesehen hat, finden viele Fragen, die nach dem Stil, nach der Bewohnbarkeit, nach der Beziehung von organischem Wachsen und baulicher Veränderung und Vergänglichkeit, von der Überformung von Gebäuden durch Gesellschaft... eine mögliche Antwort. Der Film arbeitet sich von einem Porträt zum nächsten, ist also in der Summe eine Art Album, eine filmische Tafel, auf welcher eine vielfach okkupierte weisse/ reine Architektur der Moderne mit dem weissen/reinen Licht des Kinos projiziert wird.


Festivals:

International Forum of New Cinema, Berlinale (Germany) 08.02.2007 - 18.02.2007
22nd Mar del Plata International Film Festival (Argentine) 8.03.2007 - 18.03.2007
Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente (Argentine) 03.04.2007 - 15.04.2007
Toronto International Film Festival (Canada) 7.09.2007 16.09.2007

Festival ERA NEW HORIZONS (Poland) 19.07.2007 - 29.07.2007

Vancouver International Film Festival (Canada) 27.09.2007 - 12.10.2007

Viennale (Austria) 19.10.2007 - 31.10.2007



Heinz Emigholz

Heinz Emigholz wurde 1948 in Achim bei Bremen geboren. Er ließ sich zunächst als Zeichner ausbilden, studierte anschließend in Hamburg.
Seit 1973 ist er in Deutschland und in den USA als freischaffender Filmemacher, bildender Künstler, Kameramann, Schauspieler, Autor, Publizist und Produzent tätig. Viele Ausstellungen, Retrospektiven, Vorträge und Publikationen. 1974 Beginn der enzyklopädischen Zeichenserie Die Basis des Make-Up. 1978 gründete er die Produktions-firma 
Pym Films. 1984 Beginn der Filmserie Photographie und jenseits. Seit 1993 hat er den Lehrstuhl für Experimentelle Filmgestaltung an der Universität der Künste Berlin inne. Publikationen u.a.: Krieg der Augen, Kreuz der Sinne, Seit Freud gesagt hat, der Künstler heile seine Neurose selbst, heilen die Künstler ihre Neurosen selbst, Normalsatz - Siebzehn Filme und Das schwarze Schamquadrat (alle vier Bücher im Verlag Martin Schmitz), Die Basis des Make-Up (I) und (II) ,Der Begnadete Meier und Kleine Enzyklopädie der Photographie (in Die Republik Nr. 68-71, 76-78, 89-91, 94-97).


Veröffentlichte Filme
1972-73 Schenec-Tady I (16 mm, s/w, 27 Minuten)
1973 Schenec-Tady II (16 mm, Farbe, 19 Minuten)
1973-74 Arrowplane (16 mm, Farbe, 23 Minuten)
1974 Tide (16 mm, s/w, 34 Minuten)
1972-75 Schenec-Tady III (16 mm, s/w, 20 Minuten)
1975-76 Hotel (16 mm, s/w, 27 Minuten) - Forum 1976
1976-77 Demon - Die Übersetzung von Stéphane Mallarmés
"Le Demon de l´Analogie" (16 mm, Farbe, 30 Minuten)
1978-81 Normalsatz (16 mm, Farbe, 105 Minuten)
1974-83 The Basis of Make-Up I (35 mm, Farbe, 20 Minuten)
1979-85 Die Basis des Make-Up (16 mm, Farbe, 84 Minuten)
1974-87 Die Wiese der Sachen (16 mm, Farbe, 88 Minuten)
1986-90 Der Zynische Körper (35 mm, Farbe, 89 Minuten)
1993-2000 Sullivans Banken (35 mm, Farbe, 38 Minuten)
1983-2000 The Basis of Make-Up II (35 mm, Farbe, 48 Minuten)
1995-2000 Maillarts Brücken (35 mm, Farbe, 24 Minuten)
1988-2001 Miscellanea I (35mm, s/w, 20 Minuten)
1988-2001 Miscellanea II (35 mm, Farbe, 19 Minuten)
2000-2003 
Goff in der Wueste (35mm, Farbe)

 


Sechzehn der Filme sind zwischen 1974 und 2003 auf den Filmfestspielen in Berlin gezeigt oder uraufgeführt worden, drei auf den Kurzfilmtagen in Oberhausen. Viele Filme oder Retrospektiven sind auch auf anderen internationalen Festivals (u.a. Brüssel, Cannes, Edinburgh, Hongkong, London, Los Angeles, Luzern, New York, Rotterdam, San Sebastian, Turin, Wien) und in vielen in- und ausländischen Kinos und Museen (u.a. im New Yorker Museum of Modern Art, dem Stedelijk Museum in Amsterdam und dem Kunstmuseum in Bern) aufgeführt worden. Alle Filme sind über öffentliche Verleihe ausleihbar. Zwölf Filme werden als Video-Kaufkassetten von der
Filmgalerie 451 vertrieben.


Weitere Filme der Serie Photographie und jenseits und die Spielfilme Second Nature - Die zweite Natur und Schwarzer Hafen befinden sich in der Herstellung oder in Vorbereitung.






www.pym.de/


© Amour Fou Filmproduktion, Heinz Emigholz Filmproduktion, KGP Kranzelbinder Gabriele Production